Die meisten Grippeimpfstoffe werden in Hühnereiern produziert; dort können jedoch Mutationen in den Viren auftreten, die ein besseres Wachstum im Ei fördern, aber die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen zirkulierende menschliche Influenzaviren verringern. Studien zeigen, dass zellbasierte (QIVc) gegenüber eibasierten quadrivalenten Influenza-Impfstoffen (QIVe) eine bessere Schutzwirkung aufweisen. Stein et al. bewerteten nun in 2 Studien die relative Impfstoffwirksamkeit (rVE) von QIVc im Vergleich zu QIVe während der US-Grippesaisons 2022–2023 und 2023–2024.

Die Ergebnisse beider Studien zeigen eine überlegene Wirksamkeit von QIVc gegenüber QIVe bei der Prävention der Influenza bei Personen im Alter von 6 Monaten bis 64 Jahren. Damit erbrachten die Forscher auch erstmals den Nachweis der Impfstoffüberlegenheit in einer pädiatrischen Population. Wissenschaftler des Grippeimpfstoffherstellers CSL Seqirus aus Australien, den USA und den Niederlanden, Forscher von Veradigm, einem amerikanischen Analyseunternehmen und Wissenschaftler der Monash Universität in Melbourne, Australien führten 2 Studien nach einem retrospektiven Test-Negativ-Design durch, für die sie Daten des Veradigm Integrated Dataset und HealthVerity auswerteten. Diese Quellen enthalten Daten aus elektronischen Gesundheitsakten von US-amerikanischen Hausärzten, die mit Apotheken- und medizinischen Abrechnungsdaten von mehr als 60 Mio. Patienten pro Jahr in den USA verknüpft sind.

Die Studienpopulationen beider Studien umfassten Personen im Alter zwischen 6 Monaten und 64 Jahren, die einen gültigen Influenzatest innerhalb von 7 Tagen nach Auftreten einer akuten Atemwegs- oder Fiebererkrankung (ARFI) während der amerikanischen Influenzasaison 2022–2023 oder 2023–2024 aufwiesen. Die Patienten mussten zudem ≥ 14 Tage vor der ARFI mit einem QIVc oder QIVe geimpft worden sein. Patienten, die außerhalb der Saison eine Influenza-Infektion durchmachten oder mehr als 2 Impfdosen erhielten, schlossen die Wissenschaftler in beiden Studien von einer Teilnahme aus. Die Ergebnisse der Influenzatests klassifizierten die Forscher in beiden Studien als „negativ/nicht nachweisbar“ oder „positiv/nachweisbar“. Ein Fall definierte sich durch ein positives Influenzatestergebnis, eine Kontrolle durch ein negatives Testergebnis und keine positiven Tests innerhalb des Saisonzeitraums.

Das primäre Ziel der Studien war es, die rVE von QIVc im Vergleich zu QIVe bei der Prävention einer Influenza zu schätzen. QIVe-Impfstoffe stellten inaktivierte, auf Eiern basierende quadrivalente Influenza-Impfstoffe in Standarddosierung (15 µg HA-Antigen pro Stamm) von verschiedenen Herstellern dar (Afluria von CSL Seqirus USA Inc., Summit, NJ, USA], FluLaval und Fluarix von GlaxoSmithKline, Durham, NC, USA, und Fluzone von Sanofi Pasteur Inc., Swiftwater, PA, USA). QIVc (Flucelvax Quadrivalent) gab es von einem einzigen Hersteller (CSL Seqirus USA Inc., Summit, NJ, USA).

In der ersten Studie aus der Saison 2022–2023 erfüllten von 19 145 882 Personen 43 086 die Auswahlkriterien, darunter 1033 (13 %) Fälle und 6962 (87 %) Kontrollen in der QIVc-Gruppe sowie 6390 (18 %) Fälle und 28 701 (82 %) Kontrollen in der QIVe-Gruppe. In der zweiten Studie der Saison 2023–2024 erfüllten von 16 917 416 geimpften Personen insgesamt 106 779 Patienten die Zulassungskriterien, dazu gehörten 2119 (13 %) testpositive Fälle und 14 750 (87 %) testnegative Kontrollen in der QIVc-Gruppe sowie 14 559 (16 %) Fälle und 75 351 (84 %) Kontrollen in der QIVe-Gruppe.

Die Ergebnisse der ersten Studie zeigen eine bessere Wirksamkeit gegen jede Influenza, ausgedrückt als eine adjustierte rVE von 7,7 %. Unter Verwendung dieses Wertes und der absoluten Impfstoffwirksamkeit (aVE) von QIVe betrugen die geschätzten aVEs für QIVc für die pädiatrische und die erwachsene Population 52,0 bzw. 49,2 %. Auf dieser Grundlage schätzten die Forscher, dass die Verwendung von QIVc im Vergleich zu QIVe bei Personen im Alter von 6 Monaten bis 64 Jahren in der Saison 2022–2023 636 209 zusätzliche symptomatische Fälle verhindert hätte, mit einer proportionalen Verringerung des Einsatzes von Gesundheitsressourcen in der Gesamtbevölkerung. Die Resultate der zweiten Studie der Saison 2023–2024 zeigten für diesem Zeitraum ebenfalls, dass die Nutzung von QIVc bei Personen im Alter von 6 Monaten bis 64 Jahren signifikant wirksamer bei der Vorbeugung von Influenza-Infektionen war: Die rVE betrug 19,8 % in der Gesamtpopulation. Eine Impfung mit QIVc hätte somit fast ein Fünftel der Personen zusätzlich geschützt, die nach der Impfung mit QIVe ungeschützt geblieben wären. Die Experten schätzen, dass, wenn alle Personen im Alter von 6 Monaten bis 64 Jahren, die während der US-Grippesaison 2023–2024 geimpft wurden, QIVc anstelle von QIVe erhalten hätten, zusätzlich 2,4 Mio. symptomatische Grippeerkrankungen verhindert worden wären, zusammen mit 1,1 Mio. ambulanten Behandlungen, 14 940 Krankenhausaufenthalten und 574 Todesfällen.

 

Fazit:

Beide Studien zum Vergleich der Wirksamkeit von QIVc und QIVe-Influenza-Impfstoffen der Saisons 2022–2023 und 2023–2024 zeigen eine Überlegenheit von QIVc gegenüber QIVe bei Personen von 6 Monaten bis 64 Jahren. Die relative Impfstoffwirksamkeit betrug 7,7 % in der ersten und 19,8 % in der zweiten Studie. Die Forscher schätzten, dass durch den Einsatz von QIVc hunderttausende bis mehrere Millionen zusätzliche Influenzafälle sowie zahlreiche ambulante Behandlungen, Hospitalisierungen und Todesfälle hätten verhindert werden können.

Quelle:

Autorin Studienreferat: Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen